Befunde, Resultate & Vorhaben der Plauener

Erich Ohser/e.o.plauen-Forschung

Vater und Sohn Vater und Sohn

2009 zeitigt zwiefache Möglichkeit an Erich Ohser (1903-1944) zu erinnern: Vor 80 Jahren, ab September 1929, erschienen dessen Vorwärts-Karikaturen und vor einem dreiviertel Jahrhundert, im Dezember 1934, hatten in der Berliner Illustrirten Zeitung (BIZ) Vater und Sohn ihre Deutschland-Premiere. Der Kulturbetrieb der Stadt Plauen nimmt beides zum Anlass, die Ergebnisse bisheriger Forschungen zu bilanzieren und die Grundzüge künftiger Vorhaben zu umreißen.

 

Curriculum Vitæ

Erich Ohser um 1928 Erich Ohser um 1928
Kurt Erich Ohser wird im Weiler Untergettengrün, hart an der bayerisch-böhmischen Grenze geboren, wächst allerdings in P l a u e n, der nahen Metropole des Vogtlandes auf. Er geht dort zur Schule und absolviert eine Schlosserlehre.
Anschließend realisiert Ohser ein Abendschuljahr an der Leipziger Akademie, bevor er zu regulären sechsjährigen Studien an der Einrichtung zugelassen wird. Er beendet seine Ausbildung als Meisterschüler von Prof. Hugo Steiner-Prag.
Ab 1927/1928 lebt und arbeitet der Pressezeichner in der deutschen Hauptstadt und publiziert bis in sein Todesjahr 1944. Neben einer Fülle an Illustrationen und Cartoons entsteht zugleich ein reichliches Tausend politischer Karikaturen. Als Opus eximium gelten noch heute die Bildgeschichten Vater und Sohn.
Roland Freisler Roland Freisler

Ranküne, private Denunziation und der Freitod in der Untersuchungshaftanstalt Berlin Alt-Moabit setzen der erfolgreichen Künstler-Existenz im April 1944 ein Ende. Der gleichzeitig angeklagte Autor Erich Knauf, Dichter des 1942er Front-Hits Heimat Deine Sterne, wird am 6. April 1944 vom Präsidenten des NS-Volksgerichtshofes Roland Freisler zum Tode verurteilt und am 2. Mai 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels unterbindet jedwede Veröffentlichung zum Vorgang.

Plauen im Vogtland & e.o.plauen

Erich Ohser bleibt auch nach seinem Weggang aus der Vaterstadt, Plauen herzlich zugetan. Im Dezember 1934, kaum mehr als dreißig Jahre alt, übernimmt er deren Namen. Geschuldet ist das Pseudonym einer Auflage des NS-Propagandaministers. Ohser wahrt mit solcher Wahl seine Würde und Identität, signalisiert darüber hinaus Verbundenheit. Doch die Übereinkunft geht noch weiter, der neu gefundene Namenszug referiert der Welt nicht nur Bekenntnishaftes, die Initialen in Verbindung mit dem Ort des Herkommens sind zugleich Ausdruck einer weitgehenden Stilisierung. e.o.plauen wird zu einer Kunstfigur, seinen Protagonisten zusehends ähnlicher. Der Künstlername überlagert förmlich die bürgerliche Existenz und beginnt ein prominentes Eigenleben.

Christian H. Ohser mit Vater und Sohn | Aufnahme: Andreas Böttcher Christian H. Ohser mit Vater und Sohn | Aufnahme: Andreas Böttcher

Doch der politische Karikaturist von Vorwärts und Das Reich gerät nach 1945 in allen vier Besatzungszonen, durchaus gewollt, in Vergessenheit. Mitteldeutschen Betrachtern werden nur wenige Jahre später auch Ohsers Bildgeschichten nahezu vorenthalten. Erst die Entwicklungen der Jahre ab 1990 kann dies nachhaltig ändern. Der Sohn, Christian H. Ohser (1931-2001), besucht im Februar 1992 erstmals die, seit Vaters Zeiten so nachhaltig veränderte, im Zweiten Weltkrieg vielfach zerstörte Stadt. Dort trifft er auf den Oberbürgermeister, Kunsthistoriker und Bildhauer, Dr. Rolf Magerkord. Bereits eingeleitete Entwicklungen ermöglichen es, gemeinsamen mit dem Land Nordrhein-Westfalen und der Plauener Partnerstadt Siegen, alsbald die e.o.plauen-Galerie in der Plauener Bahnhofstrasse einzuweihen. Gleichzeitig wird am 3. Oktober 1993, unter dem Vorsitz von Prof. Dr. h.c. Willi Daume (1913-1996), die e.o.plauen-Gesellschaft gegründet. Seitdem vergeben Stadt & Gesellschaft die Plauener Karikaturistenpreise, halten die vom Kölner Philosophen Prof. Dr. Bernd Wirkus organisierten Plauener Symposien ab.

Prof. Dr. Bernd Wirkus, Oberbürgermeister  Dr. Rolf Magerkord und Prof. Dr. h.c. Willi Daume am 21. April 1995 mit der Preisplastik des 1995 erstmals verliehen e.o.plauen-Preises. | Aufnahme: Igor Pastierovic Prof. Dr. Bernd Wirkus, Oberbürgermeister Dr. Rolf Magerkord und Prof. Dr. h.c. Willi Daume am 21. April 1995 mit der Preisplastik des 1995 erstmals verliehen e.o.plauen-Preises. | Aufnahme: Igor Pastierovic