Ohsers unbegriffene Satiren

In Millionenauflagen herausgebracht entsteht nach 1933 ein Konvolut, das die möglicherweise einzigen, tatsächlich mit karikierender Absicht in NS-Deutschland veröffentlichten Hitler-Darstellungen enthält. Für die zwölf nationalsozialistischen Jahre bleiben diese wahrscheinlich ohne Analogie. Notwendiger Weise subtil angelegt, zugleich auch für den Rezipienten nicht ungefährlich, sind Belege der zeitgenössischen Wahrnehmung rar. Doch es gibt Zeugnisse und Dokumente die dahingehende Rückschlüsse zulassen. Vollständig übersehen wurde der subversive Geist von Vater und Sohn und der ab 1940 entstehenden Ohserschen Kriegs-Karikaturen jedoch in beiden deutschen Nachkriegsordnungen. e.o.plauens Werk enthält folglich eine Vielzahl zersetzender und keineswegs ausreichend gewürdigter Dokumente der deutschen Presse-Geschichte aus dem Zeitraum 1933-1944.

 

Seit 2004 hat die Plauener Ohser-Forschung das Phänomen für Vater und Sohn detailliert, für die Kriegs-Karikaturen aus Das Reich, in Ansätzen entschlüsselt. Mit der Exposition des Jahres 2009: Wie „Vater und Sohn" Adolf Hitler auf die Schippe nehmen... wurden die brisanten Novitäten zur Diskussion gestellt. Zeitgleich erschien - von verschiedener Seite ungeduldig erwartet - das Begleitbuch: Vater und Sohn & die Berliner Illustrierte Zeitung.

Abb. aus „Kleider machen Leute“ oder „Der erfinderische Kleingärtner“ - letztes Panel Abb. aus „Kleider machen Leute“ oder „Der erfinderische Kleingärtner“ - letztes Panel

Die Titel-Formulierung, Wie „Vater und Sohn" Adolf Hitler auf die Schippe nehmen..., als Ausstellungsmotto gelegentlich beanstandet, soll dabei Hitler keinesfalls bagatellisieren. Der bildhafte Ausdruck verlässt die Ebene der Stilfigur. Im Bilderstrip „Kleider machen Leute" oder „Der erfinderische Kleingärtner" steht Auf die Schippe nehmen für eine durchaus konkrete Handlung. Das Duo kehrt den vom Herrenreiter just verlorenen Pferdmist auf seine Schippe. Metaphorisch kann dieser für den politische Mist Franz von Papens, Herrenreiter und Vizekanzler, gelten, steht somit für Hitler. Katalogbuch wie Ausstellung belegen die Plauener Entdeckungen mit vielen Analysen, illustrieren akribisch den überreizten Machtwillen, die von Grund auf despotische Neigung und das auffallende Bedürfnis nach rechthaberischer Intervention, wie Joachim Fest sie als Charakteristika für Hitler beschreibt.

Hitler in der Karikatur der Welt Hitler in der Karikatur der Welt

Etwaige Hinweise auf das Elaborat: Hitler in der Karikatur der Welt. Tat gegen Tinte. Ein Bildersammelwerk. vom Führer genehmigt! (Verlag Braune Bücher, Carl Rentsch, Berlin: 1933 u. 1934), erledigen sich eigentlich von selbst, werden schon durch die Titelei obsolet. Dem interessierten Betrachter zeigt die NS-Publikation Hitler-Karikaturen aus der Zeit vor der Machtergreifung. Vom zeitweiligen Pressechef der NSDAP und Hitler-Intimus Ernst „Putzi" Hanfstaengel kommentiert, werden des Führers Leistungen zu satirischen Schmähungen ins Verhältnis gesetzt und selbstverständlich zugunsten des Diktators entschieden.